Mittelständische Unternehmen in Europa

Wachstum in Europa ist nicht denkbar ohne die 23 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Sie stellen 99,8 Prozent aller europäischen Unternehmen und sind die Basis für Innovationen, Wettbewerb und Arbeitsplätze. Um ihre Wachstumsimpulse entfalten zu können, brauchen KMU geeignete Rahmenbedingungen. Dafür setzt sich die Bundesregierung auch auf europäischer Ebene ein.

Netzwerk der KMU-Botschafter – den Belangen der KMU Gehör verschaffen

Auf der Grundlage des überarbeiteten Small Business Acts (SBA) hat die Europäische Kommission im Frühjahr 2011 ein Netzwerk aus nationalen KMU-Botschaftern (SME Envoys) sowie Vertretern von KMU-Verbänden geschaffen. Den Vorsitz führt der Generaldirektor der Generaldirektion Unternehmen und Industrie bei der Europäischen Kommission, Daniel Calleja Crespo; er ist gleichzeitig europäischer Beauftragter für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Deutschland wird vertreten durch den Abteilungsleiter Mittelstandpolitik im BMWi, Dr. Eckhard Franz.

Sprachrohr für KMU-Belange in Brüssel

Die KMU-Botschafter sollen eine Brücke schlagen zwischen den Belangen der nationalen KMU und der europäischen Politik. Ihre Aufgaben sind es,

  • die Umsetzung des SBA zu überwachen und voran zu treiben.
  • gemeinsam mit der Europäischen Kommission festzulegen, welche Ziele vorrangig umgesetzt werden sollen.
  • Ansprechpartner für KMU und deren Interessenvertreter zu sein und ihre Anliegen an die Europäische Kommission heran zu tragen.
  • Sorge zu tragen, dass bürokratischer Aufwand für KMU abgebaut bzw. vermieden wird.

Die KMU-Botschafter tagen drei- bis viermal im Jahr zu aktuellen Themen rund um die SBA-Schwerpunkte intelligente Regulierung, KMU-Finanzierung und Zugang zu neuen Märkten. Darüber hinaus besteht ein regelmäßiger Austausch nationaler Vorzeigemodelle (sogenannten “good practices”) aus der Mittelstandspolitik.

Was steht auf der Agenda?

Bei den Treffen in diesem Jahr diskutierte die Europäische Kommission mit den Vertretern der Mitgliedstaaten,

  • wie man bürokratische Belastungen für KMU und insbesondere für Kleinstunternehmen abbauen kann. Die Europäische Kommission will in Kürze die zehn wichtigsten Regelungen veröffentlichen, die diese Unternehmen auf EU-Ebene am meisten belasten.
  • wie KMU der Schritt auf internationale Märkte erleichtert werden kann. Nur 13 Prozent der europäischen KMU sind auf Märkten außerhalb der Europäischen Union aktiv. Diesen Anteil will die Europäische Kommission erhöhen. Dazu hat sie eine Internationalisierungs-Strategie auf den Weg gebracht. Ziel ist es, Lücken in bestehenden Fördermaßnahmen zu schließen und eine zentrale Informationsplattform rund um das Thema internationale Aktivitäten von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) einzurichten.
  • wie man den Unternehmergeist in Europa stärken kann. Ohne die kreativen Impulse aus immer neuen Unternehmensgründungen verliert die Wirtschaft an Dynamik. Deshalb will die Europäische Kommission mit ihrem Aktionsplan “Unternehmertum 2020” (PDF: 204 KB) dazu beitragen, dass in Europa ein noch besseres Umfeld für Gründungen entsteht.
  • wie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in den Regionen wirksam gefördert werden können. Die Europäische Kommission will in Zukunft die Regionalförderung noch stärker an den Bedürfnissen von KMU orientieren. Besonders wichtig ist dabei, die Verfahren bei der Vergabe von Fördermitteln so einfach und unbürokratisch wie möglich zu gestalten.

Themen der Mitgliedstaaten: Ein Beispiel aus Deutschland

Die Mitgliedstaaten können jederzeit im Netzwerk eigene Themen auf die Agenda setzen. Um immer aus erster Hand über die Anliegen der nationalen KMU informiert zu sein, steht der deutsche KMU-Botschafter in engem Austausch mit den mittelständischen Interessenvertretern. Ein aktuelles Thema, bei dem Deutschland gemeinsam mit Österreich derzeit die Diskussion im Netzwerk der KMU-Botschafter leitet, ist die Fachkräftesicherung (PDF: 2 MB), (englisch, PDF: 1,9 MB). Europa sieht sich mit einer doppelten Herausforderung konfrontiert: einer sehr hohen Jugenderwerbslosigkeit in vielen Mitgliedstaaten einerseits sowie einem drohendem Fachkräftemangel aufgrund des demografischen Trends andererseits. Um dieser Herausforderung zu begegnen und ein ausreichendes Reservoir an passgenau ausgebildeten Fachkräften zu sichern, streben viele Mitgliedstaaten ein stärkeres Ineinandergreifen von praxisnaher und theoretischer Ausbildung an. Vorbild ist das duale Ausbildungssystem, wie es in Deutschland und in einigen anderen europäischen Ländern praktiziert wird.

Strategiepapier des BMWi

Weitere Handlungsfelder für die EU-Kommission identifiziert ein Strategiepapier des BMWi “Erfolgreiche Mittelstandspolitik für mehr Wachstum in Europa” (PDF: 50 KB), (englisch, PDF: 53 KB) Sie betreffen die Bereiche Fachkräfte, Finanzierung, Innovationen, Bürokratieabbau, digitale Welt und Internationalisierung von KMU. Das Papier wurde im Juli 2012 an den Vizepräsidenten der EU-Kommission, Antonio Tajani, übermittelt; auch im Netzwerk der KMU-Botschafter wurde es diskutiert. Das Papier stellt unter anderem die speziellen Merkmale und Erfolgsfaktoren des deutschen Mittelstandes dar – beispielsweise die duale Berufsausbildung und das “Hausbanken-System”. Sie können auch anderen Mitgliedstaaten als gutes Beispiel dienen und sollten durch politische Maßnahmen auf EU-Ebene nicht in Frage gestellt werden.

Quelle:BMWi

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